
Das Haus und sein Leben vom gebaut werden bis zum Abriss, Zerfall, verstreut werden. Die Menschen, die ihre Abdrücke darauf hinterlassen, einen Tag, eine Woche, ein Jahr, ein Leben darin zubringen und doch nur einen Teil des Weges des Hauses mitgehen.
Das Haus als Aufzeichnungsapparat der Leben, die durch es hindurch (oder an ihm vorübergehen): Die Bilder von den Abdrücken der Stadt auf der Haut des Hauses.
Das Schwarz-Weiß hat hierbei die Funktion, die Gebäude aus der Zeit heraus zu nehmen, die instantane Patina der Grauwerte.
Die Agenten des Zerfalls, das Wasser, der bröckelnde Putz, die Übermalungen, die Schichten von Zerfall, Inbesitznahme von Territorium, vom Wegziehen, von der Post, die nicht mehr zugestellt werden kann, die zerbrochenen Fensterscheibe und dahinter das Licht in den still-gewordenen Räumen. Von der Archäologie des Jetzt, man schaut ein Gebäude an, dessen Funktion längst vergessen ist, ein Tempel, eine Werkhalle, ein Wohnhaus?
Straßennamen funktionieren nicht länger als Marker, die anzeigen wo Menschen leben, sondern als Markierung eines Fundorts.
(Das Haus als Readymade – daher auch nicht wie bei den Bechers/Ruscha das Gruppieren gleicher Funktionen, sondern das Anonymisieren, das Haus, das aus der Funktion gefallen ist, das Haus als Rest, als Überbleibsel und dazu seine Zerfallsprodukte: Aber was bedeutet das für die Strenge/Gleichförmigkeit, mit der die Häuser aufgenommen werden müssen?): Das Nüchterne Front/Central als gemeinsames Element – einen Postkasten(die Fragmente, Überbleibsel von HAUS) in derselben Weise aufnehmen wie das HAUS; Ornament werden.
In diesem Zyklus von Aufbau und Abriss steht der Stein dann in der Mitte: Er ist entweder ein Rest einer Ruine oder der Grundstein eines neuen Bauwerks. (Und das ist, was passiert, wenn man die Etiketten “Zorn”, “Terror” entfernt: Von den Dramen bleiben nur noch die Fragmente: Of that colossal wreck, boundless and bare / The lone and level sands stretch far away.) Wie Geschichten zu Geschichte werden.
Die Hanauerfahrung als Ausgangspunkt: Die Frage, was bleibt vom Terror übrig in den Steinen, welchen Abdruck hinterlässt das Geschehen auf den Häusern. Die Antwort: Nichts. (in diesem Sinne sind die Bilder das Bild des Scheiterns der Abbildung des Terrors: Wenn man Bilder der Häuser einer Kleinstadt macht, in der ein furchtbares Verbrechen stattfand bleiben am Ende nur Bilder von Häusern einer Kleinstadt übrig.)
Das Verflachen des Bildes, das Verwandeln der Stadt in eine Art horizontales Sediment: Aus Stadt wird etwas Geschriebenes, ein Blatt, auf das die Zeit sich einschreibt. Farbschichten über Farbschichten, Abrieb, Staub, Buchstaben in einem Alphabet, das wir nicht entziffern können und deren Worte durcheinanderreden und viele Sinne ergeben.
(es fehlen noch Bilder des Bodens, die neben die verflachten Bilder gestellt werden müssen, um diesen Eindruck zu verstärken)
(wie stadt geschichte wird: Und hier findet sich auch die Abstrahierung des Hanau-Anfangs wieder: Welchen Abdruck die Geschichte (in diesem Fall die Geschichte des Terrors) auf der Stadt hinterlässt. Die Antwort ist: Keinen.
(das abstrakte Schreiben: Das Schreiben, nicht um eine Information zu transportieren, sondern um ein Territorium zu markieren: Im Ort, aber vor allem auch in der Zeit (Kilroy was here)
Und das ist auch die Art und Weise, wie man diese verschiedenen Schichten Farbe interpretieren kann: Ein ständiges Schreiben, Überschreiben und Umschreiben von Stadt.