Verantwortungsgefühl

Das sog. Verantwortungsgefühl als soziale Tugend ist im letzten Grunde Beamtengeist, Knabenhaftigkeit, vom Vater her gebrochener Wille.”

–Kafka, Tagebuch 318

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Ding-dong, bell

Full fathom five thy father lies;
Of his bones are coral made;
Those are pearls that were his eyes;
Nothing of him that doth fade,
But doth suffer a sea change
Into something rich and strange.
Sea-nymphs hourly ring his knell:
Ding-dong.
Hark! now I hear them — Ding-dong, bell.

— The Tempest, William Shakespeare

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Can’t cheat the Conductor

Was sich bei dem mehrjährigen Schreiben klärte, dass sich die künstlerischen Disziplinen, die ich betrieb und ausschließlich aus den DDR-Lebensbedingungen herleitete, jetzt thematisch zuordneten, deutlich wurde, das jedes Thema nur in einer bestimmten Disziplin ausführbar ist, dass jedes Thema seine ureigenste Ausdrucksform in sich hat.

Die mehrjährige Text-Arbeit zeigte, daß die Disziplinen nicht mischbar sind, da jede ein völlig anders geartetes Leben voraussetzt, und daß vertieftes Eindringen in die gewählte Ausdrucksform vom Erleiden der zugehörigen Berufskrankheitabhängig ist. Dieser Erkenntnis zu folgen, weigerte ich mich. Ich brach das Schreiben ab. Noch mit 40 sah ich van Gogh als Unglücksfall an. Erst mit 50 begriff ich, daß Theater einen kaputt macht. Unumgänglich war die Einsicht, daß kein Qualitätsanstieg ohne Schmerz zu erreichen war, daß auch ich meinen Fahrschein kaufen musste und nicht mehr den Kontrolleur austricksen konnte.

— Einar Schleef, Droge Faust Parsifal, p. 486

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And Youth was Wasted

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And youth was wasted on the young
who throw away their lives on a whim
on an unnaturally warm Christmas eve

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Nur Zwei Dinge

Nur zwei Dinge

Durch so viele Formen geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
– ob Sinn, ob Sucht, ob Sage –
dein fernbestimmtes: Du mußt.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

— Gottfried Benn, 1953

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Im Kreis

In jeder Art seid ihr verloren; –
Die Elemente sind mit uns verschworen,
Und auf Vernichtung läuft’s hinaus…
Was soll uns denn das ew’ge Schaffen!
Geschaffenes zu nichts hinwegzuraffen!
Es ist so gut, als wär’ es nicht gewesen,
Und treibt sich doch im Kreis, als wenn es wäre.

Goethe, Faust 2

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Raum wird Zeit

Parsifal:
Ich schreite kaum,
doch wähnte ich mich schon weit.

Gurmenanz:
Du siehst, mein Sohn,
zum Raum wird hier die Zeit.

–Wagner, Parsifal

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On Faith

 

The “Equivalents” remain photography’s most radical demonstration of faith in the existence of a reality behind and beyond that offered by the world of appearances. They are intended to function evocatively, like music, and they express a desire to leave behind the physical world, a desire symbolized by the visual absence of horizon and scale clues within the frame. Emotion resides solely in form, they assert, not in the specifics of time and place.

— Andy Grundberg, 1983 on Alfred Stieglitz “Equivalents”

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