
Die Sprache darf kein homogenes System sein, es bedarf des Ungleichgewichts, das immer heterogen ist: Der Stil hat die Spannungsunterschiede aufrechtzuerhalten, zwischen denen etwas passieren kann, zwischen denen ein Blitz aus dem Sprechen selber aufsteigen kann, der uns sehen und denken läßt, was im Schatten um die Wörter blieb, etwas, dessen Existenz man kaum geahnt hatte. Zwei Dinge entziehen dem Stil den Boden: eine homogene Sprache oder auch eine so große Heterogenität, daß sie Gleichgültigkeit, Beliebigkeit wird und nichts Präzises mehr zwischen den Polen passiert. Zwischen Haupt- und Nebensatz muß es eine Spannung geben, eine Art Zick-Zack, selbst und gerade dann, wenn der Satz geradlinig zu verlaufen scheint. Stil gibt es, wenn die Wörter einen Blitz erzeugen, der von den einen zu dem anderen überspringt, auch zu weitabliegenden.
— Gilles Deleuze