Die Suppe

Ich betrachte die Schwarzweiss-Fotografie, so wie ich sie betreibe, als eine Farbfotografie. Grau ist für mich eigentlich eine Farbe und ich bin auf diese Position des Graus erstmals 1976 bei der Serie Berlin-Wedding gekommen. Es war ein ganz bewusster Schritt, die Bilder noch extremer ins unermessliche Grau zu treiben, sodass Schwarz und Weiss eigentlich nicht mehr vorkommen. Grau ist für mich eigentlich eine Farbe der Differenzierung, so komisch das klingt. Schwarz und Weiß sind ja zwei feste Standpunkte, rechts und links. Und ich dachte, dass die Welt sich nicht klar definiert, sondern sich in vielen Nuancen darstellt. Das habe ich versucht, in die Fotografie einzubringen. Indem ich Schwarz und Weiß völlig eliminiert habe, habe ich das sozusagen auf die Spitze getrieben und im Grunde genommen eine Antithese zu der Vorstellung formuliert, wie sie allgemein üblich war. Ich habe mit diesen grauen Bildern für mich die Fotografie noch einmal neu erfunden. Es gibt von mir Bilder, die sehen aus wie eine Suppe, aber es war eben auch die Suppe, wie sie im November da war.

— Michael Schmidt, Die Farbe Grau

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